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20. Oktober 2010

Hokkaido – Noboribetsu 2












Nach dem Höllental sind wir ein paar Serpentinen weiter hoch gefahren und waren an einem Vulkansee, der an der Oberfläche ca. 50°C hat. Das Wasser dampfte und überall stiegen kleine Blasen auf. Das Beste daran ist allerdings, dass dieser See einen kleinen Fluss speist und ihn somit auf angenehme 30-40°C aufheizt. Diese warmen Flüsse nennt man hier Ashiyu (warmes Fußbad). Die Badestelle war etwas weiter in einem kleinen Wald gelegen und man konnte direkt auf einem Stein oder Baumstamm im Wasser sitzen und auf einen unglaublich tollen Wasserfall starren. Ich hätte da noch Stunden sitzen können…Nach so einem Fußbad mit vielen Mineralien usw. fühlen sich die Füße übrigens viel leichter an. Das hält aber nur so 30 min…also sollte man dann schleunigst wieder ein Ashiyu aufsuchen…

19. Oktober 2010

Hokkaido – Noboribetsu 1














Am nächsten Tag sind wir nach Süden in den berühmten Badeort Noboribestu gefahren. Es liegt etwas höher in den Bergen und ist sehr beliebt wegen seiner Onsen und dem Höllental. Der ganze Ort riecht leicht schwefelig (verfaulte Eier), aber man gewöhnt sich schnell dran. Meine Vorstellung von einem beliebten Badeort ähnelt meistens einer Mischung aus einem Kurort an der Ostsee und einem kleinen Skiort in den Alpen…entspannend, malerisch und verschlafen. Noboribetsu strahlt jedoch eher den Charme grauer Plattenbauten aus den frühen 70ern wieder. Für einen Deutschen wäre das kein schöner Urlaubsort. Die Hotels sind Bettenburgen aus vergangenen Zeiten und alles wirkt irgendwie sehr morbid…verlebt. Es ist klar, dass man in Japan keine schönen kleinen Boutiquehotels bauen kann, da es keinen Platz gibt. Daher muss die Grundfläche so klein wie möglich und dafür die Anzahl der Stockwerke so groß wie es nur irgendwie geht sein. Interessant fand ich allerdings, dass es in diesen Bettenhäusern meistens nur Tatamiräume gibt. Dadurch, dass es keine Gardinen gibt konnte man das auch ganz gut sehen. Japanische Tradition im Bettenburgenstil…find ich sehr lustig. Nichts desto trotz ist die Landschaft um den Ort herum einfach einmalig und absolut außergewöhnlich. Direkt neben den Hotels erstreckt sich eine riesige Mondlandschaft mit dampfendem Quellen und Schwefelflüssen. Man fühlt sich nicht mehr wie auf der Erde sondern eher wie in der Hölle…daher auch der passende Name: Höllental.

6. Oktober 2010

Vulkangebiet













Letzten Sonntag war ich mit Daisuke und seiner Familie in Naruko, einem bekannten Bade- und Urlaubsort für Onsenliebhaber. Wir haben uns dort die heißen Quellen und Geysire angesehen und ich war wirklich beeindruckt. Man läuft mitten durch den Wald an einem kleinen Fluss entlang und sieht, überall aus irgendwelchen Löchern Dampf aufsteigen. Je nach Aktivität, hört man dann auch noch das Blubbergeräusch von kochendem Wasser (hört man gut im Video, siehe oben). Die Luft riecht ein wenig nach Schwefel bzw. so wie ein Onsentamago schmeckt. Und gerade als mir Daisuke erklärte, dass man hier die Vulkaneier kocht, sahen wir auch prompt Leute, die gerade welche im Fluss abkühlten. Mit meinem Ausländerbonus habe ich natürlich gleich welche geschenkt bekommen und musste sie auf der Stelle und noch ganz warm essen/trinken. Man klopft das eine Ende vom Ei auf und kann dann das glibberige Innere einfach trinken. Das gute und gesunde am Onsentamago ist der Vulkangeschmack, so ist das Ei bereits würzig (leicht schwefelig). Somit habe ich es auch trotz seiner Konsistenz und ohne Salz runter bekommen. Am Ende des Wegs war dann der Höhepunkt: ein Geysir spuckt dort alle paar Minuten eine riesige Fontäne in die Höhe. Nur muss man aufpassen, weil das direkt am Weg stattfindet und das Wasser ziemlich heiß ist.  Danach sind wir dann in einen Pilzladen gegangen und haben dort Pilzsoba gegessen und Pilztee getrunken. Das war eine sehr leckere Sache mit vielen verschiedenen frisch gesammelten Pilzen aus der Umgebung. Der Shop verkauft aber nicht nur Pilze und Beeren, sondern auch getrocknete Giftschlangen, die man in den Alkohol tut. Der Tee wurde übrigens auf einem traditionellen Ofen bereitet. In diesem Ofen hat sich mal ein Herr Noguchi, die Finger gebrochen oder verbrannt (hab ich nicht so ganz verstanden) und hat dann später einen Nobelpreis bekommen. Ich wollte das aber nicht ausprobieren. So wichtig ist mir der Nobelpreis nun auch wieder nicht.

Für die nächsten zwei Tage leider keine posts, da ich mich mal kurz nach Hokkaido absetze. Bis Montag!

24. September 2010

Von Fischwirbelsäulen und rohen Eiern





Es gibt hier schon einige Gerichte, die etwas merkwürdig anmuten, aber immer unter dem Aspekt der gesundheitsfördernden Wirkung sehr beliebt sind. In relativ vielen Gerichten ergibt sich die Möglichkeit ein fast rohes Ei reinzuschlagen und mit dem Rest zu vermengen. Das ist aber dann kein gewöhnliches Ei, sondern ein Onsentamago, also ein Ei, dass in einer heißen natürlichen Quelle gegart wurde. Das Ei ist dann voll von Mineralien und anderen tollen Stoffen…sagt man. Außerdem, soll es einen leicht schwefligen Geschmack in der Quelle annehmen. Das kann ich nicht bestätigen, aber die Eier schmecken hier schon etwas anders…würziger (nur ganz leicht) irgendwie, sodass ich aber gar kein Salz benötige. Das erste Onsentamago habe ich voller Begeisterung und Neugier im 7eleven gekauft. Leider wusste ich da noch nicht, dass es fast roh ist und ich habe es zu Hause gleich nach dem Öffnen und dem Anblick des wabbligen Inneren weggeworfen. Nummer zwei habe ich dann hier in der Mensa auf mein Rindfleisch mit Reis geschlagen bekommen. Ich glaube allerdings nicht, dass dieses Ei in einem Onsen gegart wurde oder muss tatsächlich jede Küchenfrau einmal am Tag mit ner Stiege Eier ins heiße Wasser steigen?! Aber auf warmen Speisen schmeckt es wirklich ganz gut, nur wenn ich meine kalten Sobanudeln oder Tunfischsashimi mit rohem Ei verquirrle (das wird dann auch nocg irgendwie vorher aufgeschäumt) wird mir ganz anders.
Eine weitere sehr gesunde Angelegenheit, ist Fischknochen essen. Eines Tages kam ich nichts ahnend in den Aufenthaltsraum und sah dort viele bunte Tüten mit Knabberzeug liegen. Ich habe mich sofort drauf gestürzt, bin aber auch so schnell wieder davon abgekommen. Diese Tüten sahen aus wie kleine bunte Massengräber mit unzähligen Wirbelsäulen drin. Es gibt sie auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen (Salz und Soja) und sie seien sehr gesund. Das meinten zumindest die anderen als sie genüsslich alle Tüten aufknabberten. Da konnte ich nur sagen: „Das ist nicht lecker! Das ist gesund!“ – About a Boy

20. August 2010

Koyasan – Onsenreport


Ja, also völlig verkatert bin ich (und eine lärmende Schulklasse) dann von Osaka mit dem Zug und später noch mit der Seilbahn bis ins 800 m hoch gelegene Tempeldörfchen Koyasan gefahren. Der Ort besteht eigentlich nur aus Tempeln, um die sich herum ein paar Häuser gruppiert haben. Der Ort ist so eine Art Pilgerstätte für Buddhisten (sowie Touristen) und jeder mit Rang und Namen hat dort im Laufe der Geschichte ein Monument errichtet, aber dazu mehr am Montag... In Koyasan war mein Ziel, etwas Japanisches zu machen, was japanischer nicht sein kann…  eine Übernachtung in einem Tempel mit traditionell japanischen Zimmern und dazu noch ein eigenes Onsen (heiße Quelle). Wenn man in Japan traditionell übernachten möchte, geht man in ein Ryokan. Das sind Gasthäuser, die dem Gast mit Strohmatten ausgelegte, spärlich bis gar nicht möblierte Zellen anbieten, die nicht mal über eine eigene Toilette verfügen. Das klingt jetzt ziemlich ärmlich, aber damit hat das gar nichts zu tun… preislich gesehen, liegt eine Übernachtung im Ryokan auf 5 Sterneniveau und teils weit drüber. Dafür sind aber Abendessen und Frühstück mit inbegriffen, was den Preis natürlich rechtfertigt…haha. Das klingt jetzt alles total schrecklich, ist es aber gar nicht…es ist eben japanischer Luxus. Die Besonderheit in Koyasan, ist Möglichkeit zur Übernachtung in einem Tempel. Ich habe mir das Fukuchi-in ausgesucht, weil es zusätzlich noch die einzige heiße Quelle in Koyasan besitzt und die vier Gärten von einem Stararchitekten gestaltet wurden. Als ich also dort angekam, habe ich den Tempel gleich an dem schönen Eingangstor erkannt. Sonst sieht man nämlich gar nichts, da alles von einer hohen Mauer umgeben ist. Wenn man dann aber das Grundstück betritt, findet man sich gleich in einer ganz anderen Welt wieder…es ist einfach total japanisch. Das ganze Gelände besteht nur aus einem riesigen verwinkelten Haus/Tempel, das erhöht über dem Boden gebaut und zu allen Seiten offen ist.  Die Gärten kann man auch übrigens nicht betreten, sondern nur von den Terrassen entlang des Hauses bewundern. Es wäre auch ziemlich mühsam, wenn ständig jemand durch den Zengarten latschen würde. Am Eingang wird man dann begrüßt und muss sofort seine Schuhe gegen Schlappen eintauschen, bevor man alles gezeigt bekommt. Mein Zimmer war relativ weit vom Hauptbereich entfernt und lag genau zwischen dem Haupttempel (jeden Morgen um 6 Uhr wird gebetet…ich bin auch extra dafür aufgestanden) und dem Onsen…perfekt. Als sich für mich die Papierschiebetür zu meinem Reich öffnete, viel mir gleich ein bestimmter Song ein…ein Bett im Kornfeld, das immer frei….weil die Tatamimatten total nach Stroh riechen…naja, sind ja schließlich auch aus Stroh! Jedenfalls war es ein 12m² großer Raum mit einem Couchtisch, 4 Sitzkissen, eine Affenstatue, einem Flatscreen und einem Kleiderschrank mit Safe, da sich die Papierschiebetüren nicht abschließen lassen und ich auch leider meinen PRITTstift zum Zukleben zu Hause vergessen hatte…menno. Die Toiletten (übrigens total modern) waren ja leider nicht im Zimmer, sondern für alle in den Fluren. Das war aber gar nicht so schlimm, da das Haus ja riesig ist und die Gäste überall verteilt waren. Das Besondere bei den Toiletten sind die Schuhe. Bevor man aufs Klo geht, muss man sich seine Schlappen ausziehen und die auf dem Klo vorhandenen Toilettenlatschen anziehen. Danach darf man dann allerdings nicht vergessen, den Schuhtausch wieder rückgängig zu machen, da es wahrscheinlich einer Todsünde gleich kommt, mit Klolatschen, die Flure zu betreten (und Tatamis sowieso nur barfuß). Wieder zurück zur Luxuszelle: Die zweite Besonderheit ist das Essen, das auch im Zimmer serviert wird. Da ich in einem Tempel war, war das Essen komplett vegetarisch, für mich kein Problem und ich konnte auch bedenkenlos alles essen, weil ich sicher sein konnte, dass nichts vorher gelebt hat. Die Angestellte bringt dann drei aufeinandergestapelte Tabletts, die auf den Boden gestellt  werde. Darauf befinden sich allerhand Schalen und Schüsseln mit z.B. Sesamtofu, Tempura, Algensuppe, Pickles, Agaragar und GrünerTeeSalz. Dann war da auch noch ein Sieb mit einem Blatt Papier, in dem Sojasuppe mit Pilzen und Tofu auf offener Flamme erhitzt wurde. Warum das Papier nicht gebrannt hat, frag‘ ich mich heute noch. Nachdem dann noch Tee und Reis gebraucht wurden, wurde ich allein gelassen und konnte essen….sehr, sehr, sehr lecker. Meine Kollegen auf Arbeit waren sehr skeptisch wegen des vegetarischen Essens. Vegetarisch gibt es in Japan nicht und alle sind angewidert, wenn sie Shoujin ryouri hören. Ich habe dann mal gefragt, was denn so Schlimm daran wäre. Abgesehen davon, dass es noch keiner meiner Kollegen probiert hat, meinen alle, dass es keinen Geschmack hätte. Das habe ich zuerst nicht kapiert, aber hier in Japan gibt es neben süß, sauer, salzig und bitter noch einen weiteren Geschmack: umami (Das ist kein Scherz!!!). Und in Japan ist alles mit Umami…na? Wer weiße es…genau... Umami ist Geschmacksverstärker! Bähhh! Da war mir natürlich klar, warum für mich das vegetarische Essen eine Geschmacksexplosion war und für Japaner nur fad. Naja, da sind sie selbst schuld! Wieder zurück zur Luxuszelle: nach dem Essen kommt dann jemand und bereitet das Bett auf dem Boden. Ich habe natürlich nur eine Matratze verlangt, habe mir dann aber doch vorm Schlafen gehen noch selbst eine zweite untergelegt. Das war dann doch zu unbequem (erinnerte mich an die erste Übernachtung bei meinem kleinen Cousin… nee, nur Spaß…Gruß an die Friedenstraße 3b). Bei dem Thema Schlafen fällt mir ein, dass um 9 Uhr abends der Tempel komplett dicht gemacht wird. Das heißt, dass alle ach so offenen Türen und Fenster nach außen geschlossen werden und niemand kommt weder rein noch raus…ein echter Knast also. Das hatte mich echt überrascht. Wenn mal ein Notfall sein sollte, sollte ich das Personal, das ja auch im Gebäude eingeschlossen ist, anrufen…macht Sinn, vor allem wenn die Telefonleitungen vielleicht zerstört wurden. Also was tun, in einem Luxusknast…ja, Arbeitsbeschaffungsmaßnahme: Kaligraphiekurs! Für eine „Spende“ von 15 Euro (das war auch das Erste was vom Mönch verlangt wurde, klar das kennen wir ja schon!), hatte ich mir erhofft, in die Geheimnisse der Klaigraphie von einem echten Mönch eingeweiht zu werden. Als ich dann ein Blatt Papier mit jap. Schriftzeichen und den Worten: „Name, Datum, Wunsch und Schriftzeichen nachmalen!“ vor die Nase gelegt bekam, kam ich mir etwas verarscht vor. Alle anderen „Insassen“ vor allem die Japaner schienen damit ganz zufrieden und total im Yin und Yang. Für mich fehlte eigentlich nur, dass der eine Mönch die Trommel  im Takt schlägt, während der andere die Peitsche schwingt. Aber dazu hätten sie der Strafarbeit beiwohnen müssen…sie hatten sich nach 10 Minuten mit den Worten. „wenn fertig, Blatt in Schale legen und gehen!“ aus dem Staub gemacht, wahrscheinlich zum Fußball gucken! Da saß ich nun und pinselte eine Stunde lang Schriftzeichen nach, die ja eh schon da standen und fühlte mit wie in einem Sklavenlager, in dem Handtaschenimitate im Akkord gefertigt werden. Danach war ich völlig fertig und brauchte nur eines…Entspannung im Onsen. Ich habe bis Mitternacht gewartet, um sicher zu sein, dass alle anderen möglichen Mitbader schon längst schlafen und ich mein eigenes privates openair Onsen genießen kann. Das tat ich dann auch sehr lange und sehr entspannt, zuvor natürlich das bereits aus Kyoto bekannte Waschritual: rauf auf den Schemel, eingeseift, abgespült, abgetrocknet und dann raus zum Onsen. Ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen ein paar Fotos zu machen, aber dafür musste ich vorher meine Kamera holen. Also, wieder die Yukata an, in Schlappen halbe Treppe rauf, über den langen Flur getippelt und wieder die Treppe runter zum Zimmer und wieder zurück. Das Haus ist nämlich wie ein echtes Labyrinth, überall führen Gänge hin und Treppen tauchen auf und führen wieder in ein anderes Stockwerk. Zurück im Onsen bin ich dann aber einfach so „dreckig“ wie ich nun war, ins Wasser gestiegen. Das Onsen war natürlich nur das für die Herren. Das für die Frauen ist im Internet abgebildet und ist komplett aus Natursteinen gefertigt. Das Herrenonsen ist dagegen aus Holz, sehr schlicht und hat  zwei kleine und ein großes Becken und alles für mich allein. Auf dem einen Bild bin ich übrigens selber drauf. Da ich aber nichts an hatte, habe ich mich bewegt, um auf dem Foto wie Nebel zu verschwimmen. Möchte nicht gegen Jugendschutzbestimmungen verstoßen J . Alles in allem war das ein sehr schöner Tag, nur länger könnte ich es dort auch nicht aushalten. Aber vielleicht werde ich im Winter nochmal bei mir hier im Norden Japans in ein anderes Onsen fahren. Heiße Quellen im Sommer zu besuchen, ist auch ziemlich merkwürdig!