Kokedera wird auch Moostempel genannt, weil in seinem Garten ca. 1000 verschiedene Moose wachsen sollen. Um diesen Tempel besuchen zu können, musste ich bereits von Sendai aus eine Postkarte mit Antwortkarte und Terminwunsch versenden. Es werden täglich nur wenige Besucher eingelassen und man muss 3000 Yen „spenden“. Ich finde, „spenden“ ist immer eine sehr schöne Bezeichnung für Eintritt. Man hat dann gleich das Gefühl, dass man was Gutes getan hat. Zumindest können sich die Mönche eine weitere Kiste Beluga mit Champagner leisten. Ich glaube, pro Tag dürfen 200 Leute zur Besichtigung kommen. Alle „spenden“ und das macht nach meiner Rechnung (und der von Adam Ries) ca. 5300 Euro täglich. Ja, das nenne ich Business, ganz großes Kino! Die Buddhisten haben es echt drauf. Bevor man den Garten besichtigen kann, muss man an einer buddhistischen Zeremonie teilnehmen. Ich musste mit einem Kaligraphieset meine Wünsche und Adresse (hoffentlich bekomme ich jetzt keine Werbung für Buddhismus nach Hause geschickt) auf eine Holztafel pinseln, einem Gebet in beindruckendem Tempo und Überlänge beiwohnen und meine Wunschtafel gegen eine kleine Spende (versteht sich) dem Tempel darreichen. Aber der Garten ist wirklich etwas Besonderes und die 3000 Yen waren da schnell vergessen. Danach bin ich dann noch in den Südosten Kyotos gefahren…erst zu weit, da ich eigentlich nach einer Station schon wieder aussteigen wollte, aber leider den Superexpress erwischt hatte, der erst nach vier langen Stationen hielt und ich daher dann wieder zurück nach Inari zum Fushimi Schrein musste… Den Schrein selber habe ich nicht gesehen, da er sich irgendwo auf dem Berg befindet. Das Besondere daran sind tausende Shintotore, die den Weg zum Schrein säumen. Zuerst hatte ich gar keine Lust dahin zu fahren, da es trotz Regen und kühler Temperatur extrem schwül war (so habe ich auch ein neues Wort von einer Dame im Zug auf der Rückfahrt aus dem Nirgendwo nach Inari gelernt: mushiatsui). Jeder hier in Sendai meinte, dass man nicht im Sommer nach Kyoto fährt, weil es der Ort mit der höchsten Luftfeuchtigkeit wäre. Weil es relativ kühl war und regnete, hatte ich lange Hosen an. Trotz Regenschirm waren nach einer Weile nicht nur meine Beine und Arme nass, sondern auch mein Tshirt und meine Haare…Da mein Shirt grau war, sah es besonders lecker schwitzfleckig aus. Und obendrein wollte dann auch noch ein Student aus Kyoto ein Foto mit mir. Warum, weiß ich bis heute nicht, zumal ich nicht der einzige Ausländer in Kyoto war. Aber er hat sich tierisch darüber gefreut… wahrscheinlich, weil ich der einzige Dödel mit grauem Shirt und Superschwitzflecken war.
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18. August 2010
17. August 2010
Kyoto – Manga Museum
Ich bin noch immer schockiert, wenn ich an den Tag im Manga Museum denke. Das Museum an sich ist der Wahnsinn. Es ist ein umgebautes Schulhaus, teils mit Moderner Glasfassade, teils originale Konstruktion und sehr schön harmonisch umgesetzt, wie ich finde. Am Eingang kauft man sich dann eine Tageskarte am Automaten und kann dann drinnen oder auch draußen auf einer Liegewiese in die Welt der Mangas abtauchen. Das gesamte Haus ist voll mit Mangaheften und Zeichnungen aus aller Welt und von jedem Jahr seit Beginn der Mangazeitrechnung. Das war wirklich beeindruckend und noch faszinierender war, dass überall Menschen gelegen, gesessen oder gehockt haben und völlig versunken in den Büchern waren. Darüber hinaus gab es noch eine Sonderausstellung zur Entstehung von Mangas mit lebensgroßen Animestatuen und auch einen Raum mit Werken von einem berühmten Mangakünstler. Dieser hat mich dann sprachlos gemacht. Ich wusste vorher, dass Mangas für Erwachsene sind und dass es trotz kindlich naiver Darstellung doch teilweise sehr extrem zugehen kann. Auf den ersten Blick waren die Zeichnungen sehr beeindruckend und zeigten kleine Mädchen in hautengen Bikinis, die sich ganz naiv und verspielt präsentierten. Wirklich schön gemacht, aber wenn man dann bedenkt, dass das Kunst für Erwachsene ist und dort vorpubertäre Mädchen (Kinder) sieht, die sich tief bücken und ihre Hintern in den Vordergrund strecken, so dass sich alles durch das Höschen abzeichnet, bekommt das Ganze für mich ein paar Risse in der knallbunten supersüßen kitschig quietschenden Fassade. Ich habe mir dann aus Rechercherzwecken ;) ein Buch mit Mangaauszügen von verschiedenen Künstlern gekauft und danach nichts ahnend rumgeblättert. Da findet man dann u.a. die erfolgreiche Geschäftsfrau in einer von Männern dominierten Welt, die eigentlich nur davon träumt gleichzeitig von allen ihren Kollegen mal so richtig… Ich muss dazu auch nicht die Sprache verstehen. Die Bilder zeigen alles sehr deutlichen. Die Stellen, die man nicht unbedingt sehen sollte, sieht man auch nicht, da dort die Kollegen mit den Köpfen o.a. stecken. So habe ich mir auch richtige Erwachsenenmangas vorgestellt und die Geschäftsfrau ist bestimmt zumindest so alt, dass sie schon Alkohol trinken darf. In einer anderen Geschichte massiert eine Oma einem Hamster die übergroßen Hoden, während der am Hintern eines Mädchens schnuppert, das zuvor einen Vogel beim Sex zerquetscht hat…hä? Dann ist da auch noch das kleine 4-5jährige Mädchen, das ganz naiv und unschuldig mit einem gleichaltrigen Jungen knutscht (das ist für Erwachsene!). Ich habe übrigens nur erkannt, dass es sich um ein Mädchen handelt, da man in jedem Bild die Unterwäsche sieht und auch deutlich, was sich darunter abzeichnet, teilweise in sehr feilbietender Position….aber ganz unschuldig natürlich, keine Absicht, versteht sich. Ich habe das in einem Museumsshop gekauft und es war für jedermann zugänglich. Museumsshops sind toll und in Kunstmuseen haben sie ein sehr hochwertiges Angebot. Ich nehme das einfach mal für mich als Kunstform und in der Kunst gibt es keine Grenzen, alles ist möglich und es muss immer eine Steigerung geben. Aber man sieht das dann immer noch als Kunst an, und Provokation mit deutlicher Kritik ist die Intention des Künstlers. Bei Manga verwischen allerdings diese Grenzen, da es sich um erschwingliches Medium für Massen handelt und ich bin der festen Überzeugung, dass hier niemand etwas kritisieren möchte. Ok, nur steht für mich die Frage, ob diese Hefte hilfreich sind, bestimmte Fantasien und Vorlieben auszuleben oder diese dadurch eher noch gefördert werden? Ich habe keine Ahnung…
16. August 2010
Kyoto – Gion, das Geishaviertel
Gion ist ein Stadtteil von Kyoto und steht für das alte Japan bzw. seine Traditionen. Es ist mit seinen Teehäusern und Restaurants wahrscheinlich eine der exklusivsten und edelsten Adressen in ganz Japan, da hier die Geishas zu Hause sind und man sie sich für den Abend mieten kann (ab einem höheren dreistelligen Betrag geht es los). Das interessante an Gion ist, dass man nicht viel davon sieht. Man weiß nicht einmal, ob die Häuser Restaurants sind oder nicht, da sich alles im Inneren abspielt und wahrscheinlich auch dort bleiben soll. Abends sieht man dann überall Licht hinter den Schiebetüren und hört manchmal Musik. Das ist dann eine Geisha, die gerade etwas vorträgt, aber das ist wahrscheinlich nur Japanern vorbehalten. Wenn man Glück hat, sieht man mal eine Maiko (Geishaschülerin) auf den Straßen vorbei huschen. Ich habe die Gleiche gleich zweimal gesehen. Ich hatte mich schon geärgert, dass ich sie nicht fotografiert hatte und prompt taucht sie wieder ganz woanders vor mir auf. Sie hatte mich auch bemerkt und war etwas nervös. Vielleicht hätte ich sogar Rabatt bekommen… aber sie sind schon wirklich außergewöhnlich elegant und schön anzuschauen. Später habe ich dann noch eine gesehen. Das war aber genau im Zentrum der Touristenstraße in Gion. Sie war weiß geschminkt, war ziemlich aufgebrezelt und hat so getan als wäre sie sehr schüchtern und möchte die ganze Aufmerksamkeit nicht. Ich fand sie im Vergleich zur ersten Maiko sehr plump und denke, dass das eine Fälschung im Kostüm war, die gerne im Mittelpunkt steht und Touristen foppt.
13. August 2010
Kyoto – Sehenswürdigkeiten
Kyoto hat als alte Kaiserstadt sehr, sehr, sehr, sehr viel zu bieten. Allem voran der Goldene Pavillion, den ich aber gar nicht so toll fand. Ja, er ist mit Gold überzogen und glänzt in der Sonne, aber er ist stets von hunderten Touristen umsäumt, die um das beste Foto ringen und der Garten drum herum ist irgendwie schäbig für japanische Verhältnisse. Aber wenn man einen GOLDENEN Pavillon hat, dann braucht man auch keinen Garten drum rum. Gott sei Dank war der Eintritt nicht so teuer, sonst hätte ich mich wirklich geärgert. Zum Glück hat mir ein Kollege den Silbernen Pavillon am anderen Ende der Stadt empfohlen. Es war der ehemalige Privatgarte eines Herrschers und sollte, der Legende nach, komplett in Silber gehüllt werden. Ist aber nie passiert und das ist auch gut so, da er so eher als Geheimtipp unter den Kyotobesuchern zählt. Das Schöne daran ist der Garten und der Blick über Kyoto, da das Gelände auf einen Berg führt. Ganz für am Morgen war ich dann noch im Ryoanji Tempel, der einen besonders alten Zengarten besitzt, von dem keiner weiß, wer ihn gebaut hat und was er aussagen soll. Also ist es jedem selbst überlassen, die Besonderheiten der ingesamt 15 Steine zu entdecken.
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